"IAS: Größere Herausforderung als EURO und Y2K"

Experten warnen vor Unterschätzung und Engpässen / Internationaler Controller Verein bietet Plattform für Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch
Gauting/München, 3. Februar 2003

Die Umstellung auf die internationale Rechnungslegung nach IAS/IFRS ist eine größere Herausforderung als es die EURO-Umstellung und der Jahrtausendwechsel waren. Die aufwändigen und komplexen Umstellungen - es zeichnet sich eine umfassende Veränderung in Bilanzierung und Bewertung, im Ausweis von Daten der Rechnungslegung und auch beim Ergebnis ab - werden gefährlich unterschätzt.

Die IAS-Experten Alfred Biel vom Internationalen Controller Verein eV und Prof. Dr. Peter Leibfried, Vorstandsmitglied der FAS AG, warnen zudem vor Engpässen beim IAS/IFRS-Know-how, da derzeit in der Regel in den Unternehmen kaum hinreichendes Wissen und einschlägige Fähigkeiten vorhanden sind. Die Zeit drängt, denn spätestens ab dem Jahr 2005 werden durch eine EU-Verordnung alle börsennotierten Unternehmen dazu verpflichtet, ihre Konzernabschlüsse nach IAS aufzustellen.

Mit einem jetzt im Controlling-Portal, www.controllerverein.de, veröffentlichten "IAS-Impulspapier" soll auf den großen Nachholbedarf, aber auch auf die sich bietenden Chancen zur Modernisierung und Optimierung von Rechnungswesen und Berichtswesen hingewiesen werden. Zugleich soll ein breiter Dialog der Fachleute in Praxis, Theorie und Ausbildung eröffnet werden. Der Internationale Controller Verein eV, mit nahezu 4.000 Mitgliedern die führende Organisation der Controlling-Praktiker Zentraleuropas, soll die Plattform für den notwendigen Wissenstransfer und Erfahrungs-austausch bieten.

Vielfältige Maßnahmen werden notwendig
Zunächst sei zu verstehen und zu akzeptieren, dass die Bilanzierung nach IAS mehr bedeutet als die bloße Umbewertung von Einzelpositionen im Abschluss oder die Angabe einiger zusätzlicher Informationen im Anhang, meinen Biel und Leibfried. Vielmehr betreffe der Übergang auf IAS/IFRS viele Bereiche des Unternehmens, und in der Regel seien Maßnahmen und Anpassungen im Finanz- und Rechnungswesen, im Controlling sowie häufig auch in der IT und in vorgelagerten Bereichen notwendig. Hinzu komme, dass sich einzelne Bewertungs- und Bilanzierungsunterschiede oftmals noch nach Jahren in den Abschlüssen auswirken können.

Beim IAS/IFRS-Know-how drohe nicht nur in den Unternehmen ein Engpass. Auch auf der Prüfungs- und Beratungsseite sei der Mangel zu erwarten, da auch hier bislang wenig Erfahrungen vorliegen. Diese Situation verschärft sich durch erhebliche Probleme bei der Vermittlung der IAS/IFRS. Art und Umfang des Regelwerks unter-scheiden sich erheblich von der deutschen Gesetzeskultur etwa im HGB. Dies stelle den um neue Kenntnisse bemühten deutschsprachigen Rechnungsleger und Controller vor erhebliche Schwierigkeiten. Diese Problematik verschärfe sich zusätzlich durch einen ständigen dynamischen Wandel des Regelwerks, der eine laufende Information und Weiterbildung zwingend erforderlich macht. Praktisch jede Woche würden neue Standards verabschiedet; die aktuellen Kommentierungen erscheinen daher oftmals schon - "wie die berühmt-berüchtigten deutschen Steuergesetze" - als Loseblattsammlungen.

Die Umstellung auf die internationale Bilanzierung ist kein einmaliger Akt, vielmehr muss ein Unternehmen ab diesem Zeitpunkt mit einem neuen Standard arbeiten und leben. Deshalb empfehlen die IAS-Experten ein umfangreiches Vorbereitungskonzept, das Schulung und Training besonders betont und sowohl konzeptionelles Wissen als auch praktisches Umsetzungswissen umfasst.

IAS-Umstellung bietet große Chancen
Im Gegensatz zum HGB habe die Rechnungslegung nach IAS das Ziel der Darstellung der ökonomischen Realität. Damit kann eine gewisse Übereinstimmung oder Annäherung zwischen internen und externen Rechnungswesen erfolgen. Insofern eröffnet die Umstellung Chancen zur Harmonisierung des Rechnungswesens. Nicht zuletzt beinhaltet die Umstellung auch die Chance zur Neugestaltung des internen Reporting sowie der Systeme, Methoden und Prozesse. Selbst dort, wo die Umstellung nicht oder noch nicht Pflicht ist, könnte sie als Voraussetzung der Internationalisierung und Globalisierung als Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit geboten sein.

"Der Internationale Controller Verein hat die Umstellung auf IAS/IFRS als Herausfor-derung und Chance wahr genommen. Seit längerem bereits ein Top-Thema für ausgewählte Spezialisten, muss es nun in breiteren Kreisen Aufnahme finden", erklärt Alfred Biel. "Der Controller Verein bietet dazu mit seinen 40 regionalen sowie Branchen- und Funktionsarbeitskreisen und mit Fachtagungen wie dem internationalen Congress der Controller im Mai die nötige Plattform. Es geht vor allem um einen raschen Bewusstseinswandel, sich jetzt mit den komplexen Aufgaben zu befassen; es geht um Know-how-Transfer und um Erfahrungsaustausch."

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